Aus der Vergangenheit

Kleine Geschichte der Lokalbahn

Mit Böllerschüssen und viel Musik sowie einem Festzug und Festbankett im Bahnhotel, wurde am 30. Juni 1906 die Eröffnung der Eisenbahnlinie von Gerstetten nach Amstetten gefeiert. Das ist unvorstellbar lange her. Längst sind alle Zeitzeugen von damals verstorben, doch für unser Archiv konnten wir in den letzten Jahrzehnten noch O-Töne sammeln, die wir in Zukunft einmal in einem Lokalbahn-Buch veröffentlichen wollen. Doch zurück zu unserer Eisenbahn. 

Von 1906 bis 1956 prägte der Dampfbetrieb die Lokalbahn. Es waren immer zwei Dampfloks in Gerstetten beheimatet. Zu Beginn waren das Lok 9 und Lok 10. Später kam als Ersatz für Lok 9 die Lok 11 von der Nebenbahn Jagstfeld - Ohrnberg nach Gerstetten.

Leider wurden alle Maschinen, lange Zeit vor der Vereinsgründung. Auch die Güterwagen blieben nicht erhalten. Einzig zwei Personenwagen sind bis heute noch vorhanden. In Münsingen steht der Wagen Nr. 3 der Gesellschaft zur Erhaltung von Schienenfahrzeugen e.V.. Er ist betriebsfähig. Auf unserem Gelände, im ehemaligen Bundeswehrdepot, ist der Wagen 18 "Württemberger Hof" als Torso vorhanden. Von den Dampfloks gibt es nicht einmal mehr ein baugleiches Exemplar. Im Museumsbahnhof Marrum-Westernijkerk in den Niederlanden steht als Ausstellungsstück aber eine "Cousine" der Lokalbahn-Dampfloks, die jedoch eine Achse mehr besitzt.

 

Kalt waren die Winter vor der Klimaerwärmung auf der Ostalb, wie dieses Foto mit Mitarbeitern der Lokalbahn vor dem Empfangsgebäude von Gerstetten zeigt.

 

Der Lokalbahn-Dampfzug wie er 50 Jahre lang das Bild der Lokalbahn prägte. Mit den beiden vorhandenen Personenwagen und einem vielleicht noch zu erwerbenden Gepäck- und Postwagen und unserer Dampflok 98 812 konnte man diese Garnitur gut nachbilden. Jedoch ist eine Waggonhalle für die Erhaltung von Fahrzeugen mit Holzaufbau zwingend erforderlich.

 

Originalwagen Nr.18 der Lokalbahn im aktuellen Zustand. Die Aufarbeitung ist möglich. Allerdings kommt diese einem Neubau gleich. Wir suchen einen erfahrenen Projektleiter, der gerne mit Holz arbeitet. Die Zuarbeit der anderen Gewerke ist auf jeden Fall sicher gestellt. Melden Sie sich bitte!

 

Er ist, neben dem Triebwagen, das letzte echte Fahrzeug der Lokalbahn Amstetten-Gerstetten. Dank den Museumsbahnkollegen in Neuffen konnte er über die Zeit gerettet werden. Ob ihm die kalten, nassen und langen Winter in Münsingen allerdings gut tun ist äußerst fraglich...

 

Lok 10 ist längst verschrottet. Keine WEG-Dampflok konnte der Nachwelt erhalten werden.

 

T06 letzte Fahrt 2

Die Ära des Dampflokbetriebes endete 1956 durch die neuen Dieseltriebwagen. 1996 oblag es ihm auch, den letzten Zug zu fahren.

 

 

Triebwagen
Ludger Kenning lichtete in Stubersheim den T05 samt einem Güterzug mit Personenbeförderung ab. Im Hintergrund sind Personenwaggons der Ulmer Eisenbahnfreunde zu erkennen.

 

Die Ulmer Eisenbahnfreunde sind seit 1976 Kunde der Württembergischen Eisenbahngeselschaft (WEG). Für die Museumsdampfzüge ist die Lokalbahn eine Stammstrecke nach dem Dampflokverbot bei der Bundesbahn geworden.

 

98812-Amstetten1984 hatte die Lok 98 812 ihren großen Tag. Zu ihrem 70. Geburtstag zog sie einen Jubelzug nach Gerstetten hinauf. (Archiv: Ludger Kenning).

 

Der Wegfall von Steuerermäßigungen Anfang der 90er Jahre wäre schon beinahe tödlich für die Strecke gewesen. Doch noch einmal konnte der reguläre Personenverkehr auf der Lokalbahn gerettet werden.

Erst der Ausschluß von Regionalisierungsmitteln des Landes für den Personennahverkehr zwang die Württembergische Eisenbahngesellschaft mbH, als Eigentümerin, den Betrieb nach 90 Jahren im Juli 1996 endgültig einzustellen.

Der Wille zum Überleben

Drohende Stilllegung und Abbau der Strecke im Auge fanden sich die Anliegergemeinden und die Ulmer Eisenbahnfreunde zusammen.In Verhandlungen mit der Württembergischen Eisenbahngesellschaft (WEG) um die Zukunft der Bahn kristallisierte sich nur eine Lösung heraus:

Die gesamte Eisenbahn muss gekauft werden !

Es war ein Kraftakt bis alle Verträge unter Dach und Fach waren. Und anschließend folgte eine lange Zeit, bei der jeder Pfennig und später jeder Cent zur Schuldentilgung eingesetzt werden musste. Der Verein Ulmer Eisenbahnfreunde e.V. war nicht bereit sich für seine Lokalbahn zu verschulden, so dass mit der Übernahme der Strecke auch der Verein neu gegliedert werden musste. Aus dem Verein Ulmer Eisenbahnfreunde wurden drei eigenständige Vereine. Der Verein UEF Lokalbahn Amstetten - Gerstetten e.V., der Verein UEF Historischer Dampfschnellzug e.V. und die "alten" Ulmer Eisenbahnfreunde e.V. als Holding mit nichtselbstständigen Töchtern Alb-Bähnle Amstetten-Oppingen und Dampfnostalgie Karlsruhe. 

Beschlossen wurde damals, daß die Gemeinden die Grundstücke innerhalb der Ortschaften und die Bahngebäude erwerben. Der Verein übernahm den Schienenstrang und den Grund und Boden außerhalb der Ortschaften sowie die Betriebspflichten einer öffentlichen Eisenbahn unter Gründung einer Betriebsgesellschaft, der UEF Verkehrsgesellschaft mbH, die bis heute als unser Verkehrsunternehmen auf der Lokalbahn tätig ist.

Der sichere Weg in die Zukunft

Ohne das ehrenamtliche Engagement wäre dieser Schritt unmöglich gewesen. Auch heute noch lebt die Lokalbahn ausschließlich vom Ehrenamt.

Ohne die durchschnittlich 20 aktiven Mitglieder (20 % der Vereinsmitglieder) würde kein Zug mehr über die Alb rollen.

Bestimmte Leistungen, wie ein Eisenbahnbetriebsleiter oder Bauleistungen müssen "eingekauft" werden, weil sie ehrenamtlich nicht zu erbringen sind.

Dabei versuchen immer wieder "Schwarze Schafe" den Verein zu melken, indem sie unverschämt hohe Rechnungen stellen. In Folge muss sich der Verein leider von diesen fachlich oftmals guten Partnern trennen, denn kein ehrenamtlich tätiges Mitglied würde es gut finden, dass zum Beispiel der technische Leiter mit 800 ehrenamtlichen Stunden pro Jahr (!) nicht einmal die Fahrtkosten ersetzt bekommt, während zum Bespiel der "Anlagenbevollmächtigte" der Strecke für weniger als 200 Stunden im Jahr eine Rechnung über 26.000 Euro stellt...

 T06-Stubersheim In über 4.000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit wurde der Triebwagen T 06 restauriert und technisch modernisiert. Seither ist das 440 PS starke Fahrzeug  auf der Lokalbahn unterwegs. Zur Saisoneröffnung am 01.05.2010 fotografierte Reiner Braun den T 06 im Bahnhof von Stubersheim.

 

Lokschuppenanbau
Ein Jahrhundert - genauer gesagt 104 Jahre - nach der Eröffnung der Lokalbahn und der Fertigstellung der Bahngebäude wurde wieder in Gerstetten gebaut! Der historische Lokschuppen wurde, um einen Unterstand für den Museumstriebwagen zu erlangen, verlängert.

 

Auch in Zukunft wird sich die Lokalbahn durch die ehrenamtliche Arbeitskraft der Vereinsmitglieder weiterentwickeln: Als fester Bestandteil des Tourismus der östlichen Schwäbischen Alb und am Albtrauf oder als verlässlicher Partner im Güterverkehr.

Begleiten Sie die Geschichte des "Gerstetter Bähnle" in den kommenden Jahren: Entweder als aktiver Mitarbeiter oder als unterstützendes Vereinsmitglied!

Auch als Fahrgast unterstützen Sie maßgeblich unser Ziel, das 20 Kilometer lange Freilichtmuseum, die Lokalbahn Amstetten - Gerstetten zu erhalten!

Wir freuen uns darauf, die Geschichte zusammen mit Ihnen zu gestalten und die historische Eisenbahntechnik für kommende Generationen zu erhalten!

Suche

Kontakt: UEF Lokalbahn Amstetten-Gerstetten e.V.

 

Ulmer Eisenbahnfreunde, Lokalbahn Amstetten-Gerstetten e.V.

Bahnhof 2
89547 Gerstetten

Tel. 0151 288 55 000

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